Was erwartet dich?
Für unsere Webseite haben wir uns im Zuge unsere Seminararbeit, „In den Augen des Anderen“, mit dem Thema „Bleib in Bewegung“ auseinandergesetzt. Wir haben interessante Gespräche mit Flüchtlingen aus Neustadt-Hohenacker führen können und mit ihnen über die körperlichen, als auch alltäglichen Aktivitäten, wie Berufe und Schulbildung, gesprochen. Dabei finden wir immer wieder Gemeinsamkeiten zu unserem Alltag und unseren Wünschen für die Zukunft.

ALLTAG

Elona, Kosovo, weiblich, 19 Jahre

Das Frühstücken überlässt Elona lieber ihrer Familie und schläft in dieser Zeit noch.
Um 6 Uhr morgens geht es schließlich raus aus den Federn. Mit der Straßenbahn
fährt sie zur Gewerbeschule in Waiblingen, welche sie bereits seit zwei Jahren
besucht. Nach 20 Minuten erreicht sie die Schule und ist pünktlich zum Unterrichts-
beginn um 7:40 Uhr anwesend. Neben den Hauptfächern Deutsch, Mathematik,
Englisch, Berufskompezent und Religion, was eher dem Ethik-Unterricht nahekommt,
liebt Elona das Fach Geschichte. Elona hat noch weitere sechs Schwestern, fünf
besuchen ebenfalls die Schule und die Kleinste geht noch in den Kindergarten. Elona
gefällt die deutsche Schule sehr und sie steht kurz vor ihrem Hauptschulabschluss.
Was sie später einmal werden will, weiß sie allerdings noch nicht, entweder Alten-
pflegerin oder vielleicht doch in den Verkauf? Eine Ausbildun möchte sie auf jeden
Fall anfangen. Um 16 Uhr ist Schulschluss und Elona tritt den Heimweg an. Zuhause
lernt für die Schule und übernimmt das Kochen zusammen mit ihrer Mutter, wobei
in ihrer Kultur die Männer ebenfalls kochen können. Niemand ist verpflichtet zu

Mittag jeder isst, wann er möchte, das hat sich in Deutschland so eingependelt. Früher, sagt Elona, hat die ganze Familie zusammen gegessen, mittlerweile ist das allerdings anders. Vor dem Essen sagt sie das Wort „Bismilah“, was so viel heißt wie „im Namen Allahs“. Nach dem Mittagessen verbringt Elona ihre Freizeit meistens zu Hause, hin und wieder geht sie etwas spazieren und das meistens alleine. Sie arbeitet nicht und verbringt stattdessen meistens den gesamten Tag mit ihrer Familie. Zu Abend gibt es wieder warmes Essen, das sie und ihre Mutter gemeinsam zubereitet haben. Schlafen geht Elona meistens um 1 oder 2 Uhr nachts und das jeden Tag, obwohl sie morgens wieder um 6 aufstehen muss. Elona liebt es zu singen und Schwimmen zu gehen. In Waiblingen gibt es ein Schwimmbad, das sie manchmal aufsucht und ihrem Hobby dort nachgehen kann.

SPORT

Es gibt in Stuttgart 95 Flüchtlingsunterkünfte, welche auf 21 Stadtbezirke verteilt sind. Es befinden sich circa 7500 Flüchtlinge in unserem Umkreis. In Neustadt-Hohenacker, Stuttgart, wohnen momentan über 150  Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten. Und wir haben um die 250 Vereine, die vielerlei Sportangebote für Flüchtlinge anbieten.
Doch wozu die vielen Zahlen?
Für unser Projekt „In den Augen des Anderen“ haben wir 50, von insgesamt 7500 Flüchtlingen in Stuttgart, aus unserem Partner- Flüchtlingsheim befragt. So wollen wir verdeutlichen, was für eine geringe Anzahl an Flüchtlingen von der Gesamtanzahl befragt wurden und dass es sein kann, dass die Ergebnisse in anderen Flüchtlingsheimen anders sind. Doch die Ergebnisse der von uns befragten Flüchtlinge sind spannend und anders, als wir sie vermutet hatten.
Wir wollten als Gruppe herausfinden, in wieweit die Flüchtlinge aus Neustadt-Hohenacker Sport treiben und die Chance eines Vereins nutzen. Denn wie die Zahlen oben sagen, gibt es mehr als 250 Vereine, die verschiedene Sportprogramme anbieten.

Doch wieso eigentlich das Thema Sport und nicht die Herkunft und Vorgeschichte der Einzelnen?
Dem Sport ist eine wichtige Rolle hinsichtlich der Integration von Flüchtlingen zuzuschreiben. Flüchtlingen gelingt es über den Sport Kontakte zu Einheimischen, als auch Anschlüsse zu Personenkreisen mit denselben Interessen, zu knüpfen. Durch das Ausüben einer Sportart besteht die Möglichkeit einer sinnvollen Aktivität nachzugehen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sport stellt eine wundervolle Alternative zu ihrem teilweise sonst sehr tristen Alltag dar und sie können für einen Moment ihre Probleme, als auch ihre negativen Gedanken, in den Hintergrund stellen und sich zumindest körperlich entlasten. Man fühlt sich nach dem Sport einerseits platt, doch anderseits entwickelt man auch ein Erfolgsgefühl, welches für die allgemeine Motivations im alltäglichen Leben sinnvoll sein kann.

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Verein - Ja

Bei diesen zwei Kreisdiagrammen ist ein deutlicher Unterschied zwischen den Flüchtlingen, die in einem Verein sind und denen, die es nicht sind, zu sehen. Dieser Prozentunteschied ist erschreckend. Aus unserer Umfrage entnamen wir, dass 72% gerne in einen Verein gehen würden, es aber nicht machen. Da stellt sich die Frage inwieweit Flüchtlinge über das große Angebot aufgeklärt werden. Stuttgart muss in Bewegung bleiben. Stuttgart muss Flüchtlinge mehr informieren und motivieren.

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Verein - Nein

Da aus unserer Umfrage zu entnehmen ist, dass das Interesse der Flüchtlinge aus Neustadt-Hohenacker im Bezug auf den Beitritt in einen Verein sehr hoch ist, sehen wir das als ein gutes Zeichen an. Denn wir, als auch die Flüchtlinge müssen in Bewegung bleiben. Es lässt uns ausgeglichener in den Tag starten, wodurch wir weniger auf negative Gedanken und Ideen kommen.Doch wir fanden auch raus, dass sie kaum darüber aufgeklärt sind, wie viele Angebote es in Stuttgart gibt. Es ist wichtig, dass die Vereine für ihre Programme werben und Flüchtlingsheime mit diesen mehr in Verbindung stehen.
Ein weiteres Problem stellt die Sprachbarriere dar. Aus den meisten Gesprächen entnahmen wir, dass Flüchtlinge sich nicht trauen auf Vereine zuzugehen. Sie haben Angst durch Missverständnisse nicht aufgenommen zu werden. Angst vor Ablehnung. Das kennen wir alle.
Wir, als auch die Vereine müssen ihnen diese Angst nehmen. Denn beim Sport zählt nicht die Sprache, sondern der Einsatz und der Spaß für und mit dem Team.
Alles in allem, finden wir als Gruppe, dass Vereine eine große Chance für die Flüchtlinge darstellen. Wir haben es uns als Ziel gesetzt, die Flüchtlinge aus Neustadt-Hohenacker über die Chancen von Vereinen aufzuklären und sie weiterhin zu motivieren, aktiv zu sein.

Doch ist es nicht nur körperlich wichtig in Bewegung zu bleiben, sondern auch geistig.
Wie sehen die Berufschancen für Flüchtlinge in Deutschland aus? Was konnten wir aus den Gesprächen mit den Flüchtlingen entnehmen?

BERUF

Klischees, Vorurteile und erste Eindrücke. Wir alle kennen sie und unterlagen ihnen schon in mancher Lebenssituation. Besonders Flüchtlinge, welche als Fremde in unser Land kommen haben oft damit zu kämpfen. Viele in Deutschland lebende Menschen verurteilen den Flüchtlingsstrom und hegen meist negative Gedanken darüber. Doch das ist der absolut falsche Ansatz. Alle Menschen wollen dasselbe. Frieden und Akzeptanz. Deshalb hat sich unser Team es zur Aufgabe gemacht Gemeinsamkeiten herauszufiltern, die Gedanken und Interessen der Flüchtlinge kennenzulernen und auch deren Ziele zu erfahren. In der Flüchtlingsunterkunft Neustadt-Hohenacker hatten wir das Glück, mit mehreren Personen ein paar Tage verbringen zu dürfen, sodass die Möglichkeit bestand, sich anzunähern und besser kennenzulernen. Viele der Flüchtlinge sind damit beschäftigt Deutsch zu lernen und einen Schulabschluss zu machen. Andere hingegen stecken bereits in einem festen Beruf. Ein junger Mann ließ uns durch Erzählungen einen kleinen Einblick in sein Arbeitsleben gewähren. Angestellt als Fachkraft im Bereich des Metallbauwesens kann er sein handwerkliches Geschick zeigen und trifft damit voll ins Schwarze bei seinem Arbeitgeber. Durch diszipliniertes Teihaben an Deutschkursen kann er sich ohne größere Probleme gut mit seinen Kollegen verständigen und ist Teil eines Teams geworden. Anfangs, so sagt er, hatte er einige Schwierigkeiten mit seinem Chef, da er durch seine fehlenden Sprachkenntnisse Anweisungen nicht exakt folgen konnte. Doch genau dies spornte ihn an schneller und effektiver Deutsch zu lernen. Anstatt aufzugeben, lernte er immer weiter und wuchs dabei über sich hinaus. Mittlerweile, so verrät er uns, hat er nun sogar die Chance auf firmeninterne Weiterbildung erhalten.
Getreu nach seinem Motto „Wer aufhört zu kämpfen, hat schon verloren“ geht er seinen Weg in eine vielversprechende Zukunft.

Männlich, 40, sucht. In Syrien erfolgreicher Professor der Wissenschaft und Lehrender an einer Universität. Ehemann und Familienvater von vier Kindern. Diesen Lebensstandard lebte einer unserer Gesprächspartner in seiner alten Heimat aus. Eine vermutlich perfekte Lebenslage wird durch die kriegsbedingten Umstände in Syrien zu Nichte gemacht. Vorerst. Aufgrund der erschütternden Lage in seiner Heimat ist der Professor gezwungen zu fliehen. Der Plan ist nach Deutschland zu kommen, Arbeit zu finden und die Familie anschließend nachzuholen. Denn alle Familienangehörigen können nicht zu einem gemeinsamen Zeitpunkt nach Deutschland einreisen. Seit bereits anderthalb Jahren ist er nun in Deutschland und bewohnt die Flüchtlingsunterkunft in Neustadt-Hohenacker. Täglich steht er im mehrstündigen Kontakt zu seiner Familie per Telefon. Das gibt ihm Kraft und lässt ihn weitermachen, erzählt er uns. Sein Ziel die Familie zu sich in Sicherheit zu holen, ist dabei nicht das Einzige, dass er täglich zu erreichen versucht. Er möchte genau wie in Syrien auch hier in Deutschland als Lehrkraft an Schulen unterrichten und sich weiterhin der Wissenschaft widmen. Doch sein Studienabschluss und seine Zulassung als Lehrender werden in Deutschland nicht anerkannt, sodass er keinen Beruf in diesem Bereich erhält. Beim Arbeitsamt werden ihm Aushilfjobs oder praktikantenähnliche Arbeiten angeboten. Diese liegen weit unter seiner Qualifikation. Doch um seiner Familie einen guten Start ermöglichen zu können, nimmt er diese Chancen wahr. Das Ziel eines Tages wieder unterrichten zu können, lässt er nicht aus den Augen. Trotzdem will er weiterhin nicht aufgeben und nach Lehrkraftstellen Aussschau halten. Als wir ihn danach fragen, wann seine Familie nach Deutschland kommen wird, strahlt er bis über beide Ohren. Nach knapp zwei Jahren Wartezeit und bürokatischer Hürden ist es nun endlich geschafft. Seiner Familie wird die Einreise nach Deutschland offiziell gewährt und wird in 2 Monaten bei ihm sein. „Das schafft Lebensmut“.
Der Professor ist stolzer Vater von vier Kindern, welche bereits über Deutschkenntnisse verfügen.
„Sie sollen zur Schule gehen und einen besseren Start in das neue Zuhause haben, als ich es hatte.“